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10.01.2005

PETER HOLLER LP "Peter Holler" endlich auf CD erhältlich!

Der Hamburger Journalist Holger Stürenburg hat sich intensiv mit dieser Wiederveröffentlichung beschäftigt! Hier seine CD-Kritik:

Zu den ersten überaus interessanten Veröffentlichungen  im neuen Jahr zählt das Album „Peter Holler" des gleichnamigen Hamburger Sängers, Gitarristen und Songschreibers. Diese CD ist eine vom hochangesehenen Produzenten Udo Arndt digital „remasterte" Neuauflage von Hollers 1978 bei TelDec/Pinball erschienenem Debüt-Album. Udo Arndt hat die alten Bänder einer phantastischen Überarbeitung unterzogen. Eine Ehre für Holler, denn der einst in Berlin ansässige Starproduzent greift nur noch bei besonderen Anlässen und für ganz spezielle Künstler ans Mischpult, so zuletzt für die legendären Deutschrock-Helden „Ton Steine Scherben" und deren phantastische Liedersammlung „18 Songs aus 15 Jahren" oder eben für seinen langjährigen Freund und Wegbegleiter PETER HOLLER.

Als „einzigartig in der deutschen Folk- und Rockszene" stehe der damalige Anfang-Zwanziger da, schrieb TelDec im Promotext zur einstigen LP-Version von „Peter Holler". Daß diese Klassifizierung tatsächlich zutraf und keine der für Plattenfirmen typischen Übertreibungen zu Vermarktungszwecken darstellte, ist nicht von der Hand zu weisen. 1978 gab es außer Udo Lindenberg, Achim Reichel und den Scherben nur sehr wenige Musiker, denen es auf intelligente Weise gelang, klassischen Rock und Folk angloamerikanischer Prägung mit aussagekräftigen, wortreichen und gut formulierten Texten in deutscher Sprache zu verbinden. Die Neue Deutsche Welle galt noch als Minderheitenprogramm verrückter Punks zu Düsseldorf, BAP waren Lokalmatadore in der Domstadt, an Stefan Stoppok, Heinz Rudolf Kunze, Wolf Maahn und andere kommende Erneuerer des Deutschrock dachte noch kein Mensch. So präsentierte Holler tatsächlich für damalige Zeiten vollkommen Neues, das noch heute - mehr als ein Vierteljahrhundert später - nichts von seiner Aggressivität, seiner Romantik, seiner bizarren Verträumtheit und doch unverblümten Klarheit in Botschaft, Ausdruck und Inhalt verloren hat.


 



Zehn Songs, die Holler allesamt zwischen 1968 und 1978 geschrieben hatte, suchte er für die Neuauflage seines Debüts aus. Der rockige „Altstadt-Blues" fand - mancher Beinhart-Fan wird dies bedauern - keinen Platz auf der insgesamt 36minütigen CD, ebenso erging es der abgeklärten Abschiedsballade „Adios Mis Amigos". Zum Ausgleich kramte Holler den bedrohlich wirkenden, dadurch aber die inhaltliche Intention auf den Punkt bringenden, nur knapp zweiminütigen Punkrocker „Der Häuserhai" aus seinem bislang nicht wiederveröffentlichten 84er-LP-Meisterwerk „Ballade für Frenchi" hervor und fügte ihn seiner aktuellen Produktion bei. Vollständig neu aufgenommen wurde „Albatros" (1978: „Irgendwo hier"); der schnelle Rocker „Tarnaktion Skorpion" kommt in einer alternativen Folkeinspielung zum Zuge.

Musikalisch spielt sich „Peter Holler" im Rahmen einer ausgewogenen Mischung aus Rock’n’Roll, Folk und Blues ab. Holler echauffierte sich in durchgehend hochkarätigen Texten über Berufsverbote, Bundeswehr, Altnazis, Anti-Terror-Gesetze, Unternehmer, Makler und Desinformierer - und bietet auf diese Weise eine auch 2005 noch sehr aufwühlende Rückschau auf die gesellschaftspolitisch relevanten Themen der Ära von Kanzler Helmut Schmidt. Doch auch Gefühlvolles kommt natürlich nicht zu kurz: Wir hören die folkige Ode auf das traumhaft träumerische Mädchen „Sicilia", die fast fünfminütige Story über den Londoner Überlebenskünstler „Charlie" (Chaplin) zu Zeiten des US-amerikanischen Kommunistenjägers McCarthy oder das einfach nur wunderschöne Liebeslied „He Kleine".

Begleitet wurde Holler auf seinem spritzigen Frühwerk von den besten Instrumentalisten, die die hanseatische Rockszene in den 70ern zu bieten hatte. Blues-Hero Abi Wallenstein (Gitarre) trug genauso zum Gelingen des Debüts bei wie Pianist Peter Urban, Gitarrist Karsten Hook oder Bassist Tom Garn. Für ein Debüt-Album wirkt „Peter Holler" einerseits sehr professionell arrangiert und produziert, verzichtet aber in keinster Weise auf rüden Charme, trotzige Neuartigkeit und positives Lampenfieber - Eigenschaften, die Erstlingswerken oft eine besondere Aura verleihen. Zwar rumpelt es musikalisch hie und da noch heftig und zeigt sich Holler ab und zu auf der Suche nach der perfekten Komposition (die er fünf Jahre später mit dem Titelsong seiner 84er-LP „Ballade für Frenchi" auf hervorragende Weise gefunden hatte), trotzdem ist „Peter Holler" weitaus mehr als schnödes Mittelmaß: Das Debüt eines sensiblen Künstlers, der in futuro ausschließlich jene Musik spielen sollte, die ihm selbst gefiel, mit der er sich hundertprozentig identifizieren konnte und in die er mit ganzem Herzen Leib und Seele einfließen ließ.

Nicht nur eingefleischten Fans des zur Zeit in Hamburg lebenden Musikers dürfte die CD-Neuauflage von „Peter Holler" eine große Freude bereiten. Jedem Freund authentischer Rock- und Folksounds mit sensiblen Texten sei geraten, sich intensiver mit dem musikalischen Schaffen des hochbegabten Exzentrikers aus Hamburg City auseinanderzusetzen. Dazu bietet „Peter Holler" (wie übrigens auch das im Frühjahr 2004 neuaufgelegte Album „Radio Marseille") eine sehr gute Grundlage. Zudem wollen die Gerüchte nicht verstummen, daß auch Hollers nach Meinung des Rezensenten bestes, weil vielschichtigstes und zeitnahestes Album „Ballade für Frenchi", das 1984 bei einem längst verblichenen Mini-Label auf den Markt kam, bald ebenfalls neu abgemischt als Silberscheibe vorliegen wird!

(Gesamtnote 2)


"Peter Holler" ist erhältlich bei www.hhcr.de

Quelle: Holger Stürenburg, Hamburg

 

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