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29.09.2008
PETER MAFFAY
Die CD "Ewig" im Test von Holger Stürenburg!
Dies ist tatsächlich die beste musikalische Nachricht seit langem: PETER MAFFAY rockt wieder wie ein junger Gott!!!
Nach dem unnötig radiopop-lastigen, oft konzeptlos, unausgegorenen, sagen wir ruhig: langweilig ertönenden Doppelalbum "Laut & Leise" (2005) und der in idealistischer Hinsicht zwar sehr gut gemeinten und unterstützenswerten, auf den gemeinen Fan des gebürtigen Siebenbürgeners aber nicht selten arg befremdlich, weil absolut Maffay-untypisch, wirkenden Fortsetzung des 1998 gestarteten "Begegnungen"-Projekts vor zwei Jahren, legt der 59jährige Vollprofi mit Wohnsitz Mallorca nun ENDLICH WIEDER eine klassische Maffay-Scheibe vor, die stilistisch genau dies beinhaltet, was wir in den 80er und 90er Jahren sosehr an ihm geliebt haben: 14 brandneue Songs, betörend spröde, im besten Sinne des Wortes unspektakulär und trocken, durchwegs auf launiger Gitarrenbasis arrangiert, traditionell und gediegen ausgestaltet, ohne jedoch auch nur in Nuancen altbacken oder angestaubt zu klingen.
Nur fünf Kompositionen hat der Interpret selbst verfaßt; prominente Mitstreiter, wie Schlagzeuglegende Bertram Engel, Baß-Ass Ken Taylor, Deutschpopper Lukas Hilbert, Tastenzauberer Jean-Jacques Kravetz oder Gitarrist Peter Keller, erst seit kurzem festes Mitglied der Maffay-Familie, liefern wahrhaftig perfekte musikalische Arbeit ab – die aus dem oberbayerischen Feldafing stammende Dichterin und Schriftstellerin Beatrice Reszat trug zehn schier hervorragende Texte, mal gefühlvoll, dann wiederum leicht esoterisch angehaucht, aber gleichsam auch kritisch und – positiv – ruppig/direkt, zu "Ewig" – so der Titel der insgesamt knapp einstündigen neuen Maffay-Produktion (SONY-BMG) - bei, die es übrigens sowohl als Einzel-CD, als auch in Form einer vornehm ausstaffierten DeLuxe-Edition zu kaufen gibt, der eine spannende DVD mit zwei Musikvideos, einem überaus informativen Interview und faszinierenden Blicken hinter die Kulissen der Aufnahme-Sessions beigefügt ist.
"Ewig" ist ein Album, wie aus einem Guß – jeder einzelne Song steht für sich, dennoch ist durchgehend ein roter Faden zu erkennen, der die Lieder, mögen sie noch so unterschiedlich ausgerichtet sein, kongenial miteinander verbindet und vereint.
Wir hören auf "Ewig" schnelle, treibende Rockhymnen ("Es gibt zum Glück noch die Liebe", "Leb Dein Leben"), gitarrenbetonte Rockballaden ("Die Liebe bleibt", "In Dir ist immer noch ein Licht"), oder brodelnde, intensive, aufstrebende, nicht selten episch ausufernde Mid-Tempo-Hämmer der Sorte "Der Mensch, auf den Du wartest" oder "Meine Welt".
Geradezu punkig-rasant wird es im temporeichen, lauten Gitarrenopus "Ich kann, wenn ich will"; ein feuriges, heißblütiges Blues/Cajun-Gemisch stellt die Liebeselegie "Du bist göttlich" dar, klassischen Maffay-Rock der besten Sorte bietet "Auf den Scherben unserer Welt" auf. Mit sympathischen Streichern ausgestattet und in elitärem, nahezu klassischen Ambiente gehalten ist dagegen Peters grazile Liebeserklärung an seinen Beruf, an sein Talent, an seine Passion, "Meine Musik".
"Wie im Himmel" ist nicht mehr und nicht weniger, als eine hochemotionale, nächtliche Liebesbekundung an eine tolle Frau; musikalisch Top, aber lyrisch leider als nicht so gelungen erweist sich – ganz am Schluß von vorliegender CD – der titelgebende, nur ganz sacht und sanft ausgekleidete Schleicher "Ewig", der bedauerlicherweise die eigentlich dauerhaft der Berliner Chanteuse Ulla Meinecke zuzuordnenden Textzeile "Wenn nicht für immer / Dann wenigstens ewig" beinhaltet – die mutmaßliche "Übernahme" eines solchen lyrischen Fragments, das jeder gewissenhafte Freund deutschsprachiger Popklänge umgehend mit einem anderen Künstler, hier eben mit Ulla M., verbindet, hat ein unangreifbarer Vollblutmusiker, wie Peter Maffay, letztlich zu keinem Zeitpunkt nötig.
Schlußendlich möchte ich – rein subjektiv – meine beiden persönlichen Favoriten aus "Ewig" gesondert hervorheben. Hierbei handelt es sich zum einen um den beinahe fünfminütigen Eröffner des Albums: "Schnee, der auf Rosen fällt" basiert ausschließlich auf einer liebenswert gezupften Akustikgitarre, erinnert immens an Bob Dylans Folkballaden der 60er, auch Tom Petty läßt von Ferne grüßen – ein sehr introvertiertes, zugleich aber radikal aussagekräftiges Lied, das sicherlich nicht fürs Formatradio geeignet ist, dafür aber Peter Maffay – gesanglich, wie gedanklich – in Reinkultur bedeutet.
Locker, leger, fast sommerlich-fröhlich, zumindest aber offensiv und fordernd, dringt der immens ohrwurmträchtige Gitarrenpopper "Ich will nicht alleine sein" aus den Boxen. Endlich mal wieder ein phänomenaler Ewigkeitsklassiker von Deutschlands (allen Unkenrufen zum Trotz: immer noch – und mit einiger Sicherheit auch weiterhin) erfolgreichstem Rockmusiker, komponiert von Bassist Ken Taylor, erneut phantastisch betextet von Beatrice Reszat – eine Springsteen’esque Spitzennummer, die auf irgendeine Weise, ohne jegliche melodische Ähnlichkeit damit zu besitzen, in Sachen Ehrlichkeit, Authentizität und Aussagekraft fraglos an des "Boss" vermutliches "Hauptwerk" "Born to Run" (1976) gemahnt bzw. mit diesem auf jeden Fall jederzeit mithalten kann!
Der Peter Maffay des Jahres 2008 ist der Prägnanteste, Impulsivste, Überzeugendste seit langem. Unterstützt von einem grandios aufeinander abgestimmten Team, präsentiert er mit "Ewig" nicht nur eine genialische Rockplatte, sondern beweist er damit gleichermaßen, daß er noch lange nicht zum alten Eisen gehört und uns auch jetzt und in Zukunft bestimmt noch eine Menge zu sagen hat!
Gesamtnote: Bestwertung
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