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30.11.2005
STEFAN GWILDIS
Gut gelaunt und live: Stefan Gwildis auf DVD!
Gute Musik sollte man nicht nur hören und rhythmisch erleben, sondern auch verstehen können. Das scheint das musikalische Credo von STEFAN GWILDIS (47) zu sein.
Nach dem Überraschungserfolg mit seinem Album "Neues Spiel" hatte sich der Hamburger Musiker zu Beginn des Jahres ein zweites Mal daran gemacht, große amerikanische Soul-Songs ins Deutsche zu übertragen. Aus Marvin Gayes Klassiker "I Heard It Through The Grapevine" ist bei Gwildis "Das kann doch nicht dein Ernst sein» geworden, Bill Withers' "Just The Two Of Us" hat er zu "Tu doch was" umgetextet. Doch was ist bloß in den Sänger und Autoren gefahren, als er sich Van Morrisons "Brown Eyed Girl" vornahm? Aus dem "Mädchen mit den braunen Augen" wurde bei ihm "Nur wegen dir" - gleichzeitig der Titel seines aktuellen Albums.
Hat Gwildis dem Volk der Dichter und Denker nur aufs Maul geschaut oder wollte er den schleichenden Untergang des Genitivs weiter vorantreiben? Sein Kollege Udo Jürgens hat wenigstens bewiesen, dass es auch grammatikalisch korrekt geht, als er 1986 eine seiner LPs "Deinetwegen" genannt hat. Doch während sich bei Germanisten und Sprachpuristen wieder einmal die Haare kräuseln dürften, stoßen sich die Fans offenbar überhaupt nicht an Gwildis' sprachlichem Ausrutscher.
Zumindest waren 3.000 von ihnen "nur wegen ihm" im August 2005 zum Open-Air-Konzert in den Hamburger Stadtpark gepilgert, um ihn live zu erleben. Auch ein Kamerateam des NDR war an diesem Sommerabend dabei. Das mitgeschnittene Konzert wurde jetzt - ergänzt von Impressionen hinter der Bühne und Ausschnitten einer Unplugged-Session bei AOL - als DVD mit 130 Minuten Laufzeit veröffentlicht.
Wie der Mitschnitt belegt, zeigten sich der Künstler und seine Band bei diesem Konzert von ihrer besten Seite und begeisterten das Publikum - zum überwiegenden Teil Frauen - mit fast zwei Stunden Gute-Laune-Soul zum Mitsingen. "Are you ready for Marvin Gaye?" - Auch wenn der Mann mit seinem lässigen Drei-Tage-Bart bei den Ansagen manchmal ins Englische verfiel, tat das der Stimmung keinen Abbruch. Ob er seine selbst verfasste Ode an Norddeutschland anstimmte, "Wunderschönes Grau", oder zwischendurch auf einer Mülltonne trommelte ("Sulo"), die Fans bekamen, was sie sich gewünscht hatten: eine ganz große Tafel Schokolade für die Ohren.
Quelle: dpa
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